Hunderte deutsche Synchronsprecher:innen boykottieren seit Januar Netflix. Grund ist eine neue Klausel in den Projektverträgen, die die Freigabe von Stimmaufnahmen für KI-Trainings ohne zusätzliche Bezahlung verlangt. Betroffene sehen darin einen Verzicht auf Urheber-, Leistungsschutz- und Persönlichkeitsrechte für bis zu 50 Jahre.
Der Verband Deutscher SprecherInnen (VDS) unterstützt den Boykott massiv: Von 600 Mitgliedern im Februar wuchs die Zahl auf 692. Vorsitzende Anna-Sophia Lumpe erklärte: «Wir geben unsere Stimme nicht einfach für KI-Trainings her.» Schätzungsweise zwei Drittel der rund 1000 regelmässigen Netflix-SprecherInnen (ca. 667) verweigern die Unterschrift. Ein Rechtsgutachten der Kanzlei Spirit Legal stuft die Klausel als problematisch ein – Nutzungen bleiben unklar, Löschungen aus KI-Systemen unmöglich.
Netflix reagiert mit Jobangeboten und höheren Gagen an einzelne SprecherInnen, verweigert aber offizielle Gespräche mit dem Verband. Ähnliche Verträge gibt es in Spanien und Polen; in Italien und Frankreich lehnen Verbände ab. Der Konflikt gilt als wegweisend für KünstlerInnenrechte in der KI-Ära – vergleichbar mit Gema-Klagen gegen OpenAI.