Westliche Medien, darunter der Spiegel, haben bei der Berichterstattung über ukrainische Drohnenangriffe auf russische Energieinfrastruktur ein grundlegendes Problem mit der Einordnung. Eine dpa-Meldung über den Angriff auf den Öl- und Gasexporthafen Ust-Luga bei Sankt Petersburg wird weitgehend ungeprüft übernommen und als legitime «Gegenwehr» dargestellt.
Ein Beitrag auf lostineu.eu kritisiert, dass wesentliche Kontexte fehlen: Angriffe auf zivile Energieanlagen könnten völkerrechtlich problematisch sein, doch dieser Aspekt werde ausgeblendet. Ebenso werde die globale Energiekrise, die durch den gleichzeitigen Konflikt mit dem Iran noch verschärft werde, nicht thematisiert. Die Drohnen seien über das Baltikum und Finnland geflogen – also über NATO-Luftraum –, ohne dass dies zu einer ernsthaften Debatte führe. Frühere Vorfälle mit abgestürzten Drohnen über Polen hätten hingegen Krisensitzungen ausgelöst.
Die Berichterstattung folgt damit dem üblichen Muster: Russland wird als alleiniger Aggressor gezeigt, während ukrainische Angriffe auf Industrie- und Energieziele im Hinterland ohne kritische Einordnung als Selbstverteidigung gelten. Dadurch entstehe ein einseitiges Bild, das die Risiken für Europa und die Eskalationsgefahr unterschlage. Der Text fordert eine bessere Kontextualisierung statt der unkritischen Übernahme von Agenturmeldungen und ukrainischen Darstellungen. Nur so könne Journalismus seiner Verantwortung gerecht werden.