Wenn die Cloud auf Widerstand trifft: Der Kampf gegen die KI-Fabriken hat die Schweiz erreicht
Eine junge Bewegung stellt sich gegen den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Ihr Ziel ist mehr als ein Rechenzentrum – sie stellt das ganze System infrage.
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«KI kurzschliessen» – unter diesem Motto will die Bewegung «Aufstände der Allmende» im Schaffhausischen ein Camp durchführen.

Die Künstliche Intelligenz gilt als Motor der Zukunft. Doch irgendwo müssen die gewaltigen Datenmengen verarbeitet werden. Dafür entstehen weltweit riesige Rechenzentren – unscheinbare Zweckbauten mit einem enormen Hunger nach Strom, Wasser und Fläche – und auch mit störenden Schallwellen unterhalb der Hörschwelle. Nun regt sich auch in der Schweiz Widerstand.

Im schaffhausischen Beringen plant das US-Unternehmen Stack Infrastructure ein Rechenzentrum, das ab 2028 jährlich rund 315 Gigawattstunden Strom verbrauchen soll – mehr als 70 Prozent des heutigen Stromverbrauchs des Kantons Schaffhausen.

Dagegen mobilisiert die Gruppierung «Aufstände der Allmende». Für Anfang Juli hat sie ein Widerstandscamp angekündigt. Die Behörden beobachten die Entwicklung aufmerksam.

Die Bewegung ist aus der Klimagerechtigkeitsbewegung hervorgegangen, versteht sich aber nicht primär als Umweltorganisation. Sie sieht die Rechenzentren als sichtbaren Ausdruck eines Wirtschaftssystems, das immer mehr Ressourcen verschlingt und Macht in den Händen weniger globaler Konzerne konzentriert.

Die Aktivisten sprechen von «digitalem Kolonialismus»: Die Gewinne fliessen zu internationalen Technologiefirmen, während Energieverbrauch, Landschaftsverbrauch und Infrastrukturbelastung vor Ort anfallen.

Organisiert ist die Gruppe basisdemokratisch. Sie orientiert sich an antikapitalistischen und antikolonialen Bewegungen wie den Zapatisten in Mexiko und tritt vermummt auf.

Ihr Aktionskonsens verbindet den Einsatz gegen Diskriminierung mit einer grundsätzlichen Ablehnung bestehender Machtstrukturen. Auffallend ist die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Aktionsformen. Zwar lehnt die Bewegung rassistische, koloniale und patriarchale Gewalt ab, erklärt aber zugleich, für ihre Ziele grundsätzlich alle verfügbaren Mittel als legitim zu betrachten.

Unabhängig davon, wie man ihre Positionen beurteilt: Die Auseinandersetzung um Beringen zeigt, dass die Digitalisierung nicht mehr nur als technischer Fortschritt wahrgenommen wird. Immer mehr Menschen fragen, welchen Preis die digitale Zukunft hat – und wer ihn bezahlen soll.

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