Windräder im Kanton Zürich für Rechenzentren statt für die Energiewende
«Gegenwind Züri Oberland» kritisiert Energiepolitik des Regierungsrats: Neue Windkraftwerke sollen gleich viel Strom liefern, wie zusätzliche Rechenzentren verbrauchen.
""
Die geplanten Windturbinen auf den Höhen des Zürchr Oberlands werden weithin sichtbar sein und nachts blinken (Bild: Gegenwind Züri Oberland)

Der Zürcher Regierungsrat plant den Bau von rund 60 Grosswindkraftanlagen mit Höhen von bis zu 300 Metern. Sie sollen ab 2030 jährlich rund 530 Gigawattstunden Strom produzieren – offiziell als Beitrag zur Energiewende und zur Ablösung fossiler Energieträger. Doch genau diese Strommenge könnte gleichzeitig von neuen Rechenzentren im Kanton Zürich verbraucht werden. Für die Bürgergruppe «Gegenwind ZüriOberland» ist das ein grundlegender Widerspruch.

In einer Medienmitteilung kritisiert die Organisation die energiepolitische Strategie des Kantons als widersprüchlich und landschaftsfeindlich. Während der Regierungsrat die freie Landschaft mit Windkraftanlagen industrialisieren wolle, würden gleichzeitig stromintensive Datenzentren weiter gefördert und bewilligt. Der Nutzen der Windparks werde dadurch faktisch neutralisiert.

Besonders problematisch sei der rasch steigende Strombedarf der Rechenzentren. Das Bundesamt für Energie rechne damit, dass deren Anteil am Stromverbrauch bis 2030 von heute rund sechs auf zwölf Prozent steigen könnte. Gleichzeitig profitierten diese Grossverbraucher von Stromrabatten und Befreiungen bei Förderabgaben für erneuerbare Energien.

Für die Bürgerbewegung zeigt dies, dass nicht ein Strommangel das Hauptproblem sei, sondern ein fehlender Wille zur Begrenzung von Verschwendung und Überverbrauch. Co-Präsident Jens Martignoni spricht von einer «absurden Entwicklung»: Es sei volkswirtschaftlich sinnvoller, unnötigen Verbrauch einzudämmen, als Natur- und Landschaftsräume mit immer grösseren Anlagen zu belasten.

Die Gruppe fordert deshalb eine strategische Neuausrichtung der Energiepolitik. Priorität müssten Energiesparen, Effizienzsteigerung und die Produktion erneuerbarer Energie im Siedlungsgebiet haben – etwa durch Photovoltaik auf bestehenden Gebäuden. Laut Bundesamt für Energie verfüge der Gebäudebestand im Kanton Zürich über ein ungenutztes Solarpotenzial von mehreren Tausend Gigawattstunden.

«Gegenwind ZüriOberland» hofft nun auf den angekündigten «Energiestrategiebericht 2026» des Regierungsrats – und auf eine Lösung, die Versorgungssicherheit und Landschaftsschutz besser miteinander verbindet.

Newsletter bestellen