Vor mittlerweile 14 Jahren besuchte ich Philip Munyasia in Kitale, im Westen von Kenia. Es war meine erste Reise nach Afrika und mein erster Besuch in einem Slum. Den jungen Mann hatte ich in Tamera kennengelernt, wo er sein Selbsthilfeprojekt vorstellte: Er zeigte Kindern, Jugendlichen und Frauen in einem winzigen Garten, wie man mit Permakulturmethoden seine eigenen Lebensmittel anbauen kann.

Der erste OTEPIC Versuchsgarten lag im Slum. Foto: OTEPIC
Es entstand eine Freundschaft, gegenseitige Besuche folgten, Munyasia konnte auf seinen Reisen nach Deutschland und in die Schweiz viele Menschen begeistern, ihn finanziell zu unterstützen.

Philip Munyasia und ich auf einer seiner Fundraising-Reisen nach Europa. Foto: Armin Riemann
Inzwischen hat sich seine Organisation OTEPIC (Organic Technology Extension and Promotion Initiative Centre) deutlich weiterentwickelt und ist ein umfassendes Zentrum für ökologische Ausbildung und Friedensarbeit geworden – auf einer Farm etwas ausserhalb von Kitale.
Philip Munyasia, Gründer von OTEPIC, berichtete mir nun am Telefon über die aktuellen Entwicklungen: Im Mittelpunkt steht weiterhin die Arbeit mit Kleinbauernfamilien, besonders mit Frauen und Jugendlichen. Vor jedem Kurs besucht sein Team die Höfe der Teilnehmer, um deren Böden, Herausforderungen und Lebenssituationen kennenzulernen. Danach folgen Seminare im Trainingszentrum, gefolgt von Nachbesuchen. So entstehen Netzwerke zwischen den Bauerngruppen.

Gartenbaukurs bei OTEPIC. Foto: OTEPIC
Ein neuer Schwerpunkt von OTEPIC liegt auf Traumaheilung und Friedensbildung. Damals schon berichtete Philip über die Menschen, die mit ihm das Projekt tragen: Viele sind Dropouts aus Slums, haben schwere familiäre Belastungen erlebt. Fast überall sind die Väter zum Arbeiten weggezogen und nicht zurückgekehrt. Es gibt extreme Armut und Not, Alkohol, familiäre Gewalt und keine Unterstützung.
Heute finden in der Farm Opendo Garden diese Menschen Raum zum Heilen. Mehrere Frauen und Kinder leben dort bereits. Durch den Austausch in der Gemeinschaft und die Mitarbeit auf dem Hof konnten einige ihre Wut abbauen und neue Beziehungen aufbauen.
An zwei junge Frauen aus dem Umfeld erinnere ich mich noch: Lucy und Ann. Die beiden haben aufgrund ihrer eigenen Gewalterfahrungen inzwischen eine Ausbildung zur Krankenschwester begonnen, um anderen Frauen zu helfen.

Das heutige OTEPIC-Team mit der Konferenzhalle im Hintergrund. Foto: OTEPIC
Durch Crowdfunding konnte eine kleinere OTEPIC-Konferenzhalle fertiggestellt werden, erzählt mir Philip. Geplant sind zudem Elektrifizierung und Komposttoiletten. Die Anlage dient als Musterfarm und zeigt, wie mit kleinräumiger Landwirtschaft und biologischen Methoden Einkommen generiert werden kann.
Parallel dazu entwickelt OTEPIC zusammen mit einer deutschen Organisation Agroforstsysteme für biologischen Kaffeeanbau. Dabei wird Kaffee zusammen mit schnell wachsenden Schattenpflanzen wie Titonia angebaut. Diese liefern Mulch und verbessern den Boden.
Das Jahr 2026 war in Kitale bisher von extremer Trockenheit geprägt. Viele Landwirte ernteten kaum etwas, einige Grossbauern sahen keinen anderen Ausweg als Selbstmord. Die Farm von OTEPIC, die näher am Fluss liegt und über mehrere Teiche verfügt, blieb weitgehend fruchtbar: Die Retentionsteiche speichern Regenwasser, und Kompost, Mulch und Deckfrüchte halfen dem Boden, Feuchtigkeit zu halten.

Wasserretentionsteiche zum Auffangen von Regenwasser bei OTEPIC. Foto: OTEPIC
OTEPIC möchte weiterhin ein Ort sein, an dem Menschen heilen, lernen und gemeinsam nachhaltige Lebensgrundlagen aufbauen. Ganz aktuell startet dort das zweijährige Projekt SOLAR (Sustainable Opportunities for Livelihood Advancement and Revitalization). Es richtet sich an rund 300 Kleinbauern in Trans-Nzoia. Sie sollen lernen, Solar-Trockner zu bauen und sie zur Verarbeitung und Konservierung einheimischer Gemüse und Saatguts einzusetzen. «Bis zu 40 Prozent der Ernte gehen derzeit durch mangelhafte Nacherntebehandlung verloren», erklärt Munyasia. Die Trockner sollen diese Verluste verringern, die Produktqualität steigern und machen den Holzverbrauch überflüssig.
Für dieses Projekt sucht Philip Munyasia noch finanzielle Unterstützung.
Mehr dazu: www.otepic.org