Ich dachte: Was ist das eigentlich, dieses Sondervermögen? Geht da ein kurz vor der üppigen Pensionierung stehender Regierungsbeamter in den Geldwäschekeller, kommt freudestrahlend zurück und ruft: «Leute, ich habe hinter der Heizungsanlage säckeweise Geld gefunden! Das können wir jetzt alle verfeuern!»
Ich denke, Sie und ich müssen nicht unbedingt YouTube leer schauen, um zu verstehen: Sondervermögen sind Schulden. Also nicht das, was man wirklich hat – sondern das, was man irgendwann irgendwem schuldet.
Da Geld mittlerweile denselben Aggregatzustand wie Nebel angenommen hat, haucht man einfach mal 900 Milliarden in die Luft. Wow! Aus dem Nichts geschaffenes Geld, das man verfeuern kann. Nicht direkt im Ofen, sondern in etwas mit mehr Feuerkraft – und vor allem in Dinge, die kein Mensch zum Leben braucht: Waffen.
Da kann man als Rheinmetall-Orchesterleiter wegen des plötzlichen Bedarfs schon mal kurz ins Schlingern kommen und leer stehende VW Hallen zum Panzerbau anmieten wollen. Letzteres klingt für mich, als würde man versuchen, in eine Tischtennisball-Verpackung eine Wassermelone zu stopfen.
Gut, als sich das jedenfalls alles so aus der geistig verschobenen Oberstübchen-Plattentektonik der gewählten Vertreter entfaltete, kam mir eine ebenso absurde Idee: Was tun mit einem Batzen Geld, der anscheinend nur darauf wartet, in den Wind geschossen zu werden und von irgendwem zurückgezahlt wird – nur nicht von einem selbst? Friedensmissionen? Nachhaltige Gleichberechtigung? Vegane Bockwurst für alle? Ach was. Lassen Sie uns kreativ sein. Geben wir dem Affen Zucker – und richten dabei keinen Schaden an.
Stellen Sie sich vor, Sie könnten einfach zur Bank gehen und sagen: «Guten Tag, ich hätte gern 100.000 Euro aus dem Sondervermögen.» Und die Bankfachfrau – noch mit Puls und nicht durch einen emotionslosen KI-Chatbot ersetzt – lächelt und sagt: «Aber natürlich! Zurückzahlen müssen Sie nichts, das erledigen andere für Sie. Irgendwann. Vielleicht. Generationen nach Ihnen. Falls es die dann noch gibt.»
Heureka! Da ist man von den Socken. Ohne Verantwortung in einem Lala Land, denken Sie und reiben sich freudig die Hände. Und schon geht es los! Statt so etwas zu sagen wie: «Ich möchte die Promotionen über die Optimierung von Marginalanalysen im Marketing von Genossenschaftsverbänden unterstützen», kommen Sie mit Ideen, die kein Mensch braucht – die aber verdammt noch mal genau so klingen, als wären sie längst überfällig:
- Eine mobile Polzeihunde-Pitbull-Schamponier- und Fönanlage. Weil nichts dem Rechtsstaat besser steht wie frisch geföhnte Pitbulls mit seidigem Glanzfell ohne Maulgeruch.
- Brackwasser-aus dem Schlauchboot-Wett-Saufen für Greenpeace-Veteranen im Barkassenhafen von Schabeutz.Wer am meisten von der ökologischen Wahrheit schluckt, gewinnt ein Survival-Seminar in einem gerodeten Waldstück eines nicht gebauten Teslawerkes.
- Ein Kaufhaus für Möbel, die noch niemand hat... Zum Beispiel das «Einstaub»: ein 50 x 80 cm grosses Gebilde aus altem Telefondraht und recycelten Joghurtbechern, dessen einzige Funktion das Einstauben ist. Oder das «Sperrig» – ein zwei mal zwei Meter grosser Kasten, der garantiert durch keine Tür passt. Oder der «Fussstoss» – mit integriertem Erste-Hilfe-Koffer oder im Premiumpaket mit Notrufknopf für die Verwandtschaft.
- Entwicklungshilfe im Süden – Strandzonenbegrenzungen für gestrandete Existenzen. Eine für kreischende Kinder (knöcheltief), eine für Haschisch-beglückte Auswanderer (bis zu den Knien) und eine für Selbstoptimierer, die ihre gescheiterte Olympiakampagne noch nicht überwunden haben (sehr tief – mit Orkawalen). Dafür benötigt man pro Kilometer Strand acht Ausgucktürme mit Schlafzimmer, 180 Leuchtbojen mit Einhorn-, Kiffertüten- und Goldmedaillenaufdruck, sowie zehn Motorboote mit Minibar.
- Einen Trinkgeldautomaten für Kellner, die nachweislich 10 Tage keinen Alkohol getrunken haben.
- Ein wöchentliches Modemagazin mit Schnittmustern für Panikattacken-Weghäkelgruppen.
- Das Start Up einer 300 Folgen (F)instergram-Serie «King Kong in Alaska». In der Hauptrolle: der KI genierte Klaus Kinski als King-Kong-Versteher.
Ach, wir könnten tageweise mit so einem Sonderunvermögen weiter spinnen, oder?
Doch machen wir uns nichts vor: die Realität klopft an die Tür – und natürlich nicht höflich, das war absehbar. Plötzlich sitzt man da wieder, als wenn man versuchen würde, Hieroglyphen auf einer im Garten abgestürzten fliegenden Untertasse zu entziffern, und merkt: «Ach verdammt, das hier ist ja gar kein Satire-Simulationsspiel, die meinen das mit der Kriegskasse wirklich ernst!»
Was sagte Robert Habeck zu Frau Miosga auf ihre Frage, ob er Angst vor diesem Krieg hätte: «Ich muss da nicht kämpfen und ich werde da auch nicht sterben in diesem Krieg. Aber wenn es passiert, werden viele Menschen sterben.»
Ja genau: andere. Nur nicht ich. Wenn toxisch zum Trend wird und Sätze mit enormer Ich-Dichte an der Tagesordnung sind, dann zählt Lautstärke mehr als Inhalt und Ego mehr als Ethik. Immerhin, im Krieg fährt man weniger Auto.
900 Milliarden. Das ist in Kilometer etwa die Entfernung zur inneren Region der Oortschen Wolke, wo viele Kometen unseres Sonnensystems ihren Ursprung haben. Und in diesem Sinne fällt mir zum Kosmos Folgendes ein: Vor Jahren entdeckten Wissenschaftler, dass das Universum sich schneller ausdehnt als bisher angenommen.
Ich denke ja, der Grund ist der: Es flieht vor unseren Politikern.