Work-Life-Balance und Buddha
Oder: Woher kommt das Leiden? Gedanken zum Wochenende.
...
Bild: Shutterstock

Hin-und-wieder höre und lese ich von der Work-Life-Balance. Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es darum, einen Ausgleich zwischen Work (=Arbeit) und Life (=Leben) herzustellen. Unter Leben versteht man dann wohl die Freizeit mit Sport, Spiel und Spass. Die Arbeit gehört offenbar nicht zum Leben.

Überlegung 1

Schon in meinen ersten Seminaren vor rund 30 Jahren habe ich hergeleitet, was der Ursprung aller Probleme und Konflikte ist. Die Antwort war: Die Trennung. Immer, wenn wir trennen, entstehen früher oder später Konflikte. Das ist Physik! Ich weiss nicht, ob die Verfechter der Work-Life-Balance sich dessen bewusst sind, dass sie eine enorme Trennung machen zwischen Arbeit und Leben. Die Arbeit ermöglicht es uns, uns zu ernähren, zu wohnen und die Frei-Zeit zu geniessen. Und ausgerechnet die Arbeit wird von einigen Menschen geringer geschätzt als die Freizeit. Das ist in Ordnung, aber man sollte sich dann nicht über die Konflikte/ Sorgen/ Probleme wundern.

Überlegung 2

Während des Sommers (ich bin in Rente, ich habe keine Ferien…) habe ich ein kleines französisches Büchlein über die Religionen der Welt in die Hände bekommen. Dort hat mich insbesondere der Brahmanismus aus Indien fasziniert. Fast wörtlich wird dort vom Grossen und Kleinen Ich gesprochen. Das Grosse Ich nennt sich dort Brahman (oder das universelle Prinzip) und das Kleine Ich Atman (das Individuum). Und – so wie bei uns – heisst es dort, dass Brahman und Atman in Wirklichkeit EINS sind. Faszinierend. Mit anderen Worten: Alles ist Leben – auch die Arbeit. Und, was uns hier ganz besonders interessiert:  Das Leiden (die Probleme) kommt von der Vielfalt!

Das heisst: Das Leiden kommt von der Trennung! (Trennung = Vielfalt)

Wir trennen etwas in viele Einzelteile, was eigentlich ganz ist, das LEBEN.

Buddha hat dann viel später nichts anderes gemacht als einen Weg zur Überwindung des Leidens (= der Trennung) aufgezeigt. Auch wir kennen diesen «Weg». Siehe unten.

Und was machen wir? Wir trennen, wo es nur geht. Wir trennen sogar dort, wo wir älteren Menschen früher keine Trennung gesehen haben: Work-Life. Etwas ist Work und etwas anderes ist Life (= Leben).

Unsere Lehre lautet: ALLES ist Leben! Auch Work ist Life.

Was geschieht, wenn wir immer stärker trennen, sehen wir, wenn wir in die Welt schauen: Konflikte, Kriege, Leid, Betrug, Krankheiten, Armut. Buddha wollte das ändern, aber das kann man nicht ändern, weil auch das zum Leben gehört, sonst wäre es nicht so. Ich schreibe diesen Blog hier nicht, um die Work-Life-Balance zu kritisieren, sondern um bewusst zu machen, was geschieht, wenn wir trennen.

Françoise hat dieses «System» mit Hilfe eines Dreiecks in einem ...Bild grafisch dargestellt. Das Dreieck steht auf der Spitze. Ganz unten ist die Quelle, die Einheit, die Harmonie, der Überfluss. Und durch die Trennung (richtig-falsch, gut-schlecht, etc.) katapultieren wir uns nach oben, an die Oberfläche. Und – wir alle wissen es – an dieser Oberfläche knallt es. Die bedingte Liebe ist sozusagen der Aufzug nach oben. Weshalb die bedingte Liebe? Weil die bedingte Liebe überall trennt. Zum Beispiel: Ich liebe die Freizeit, aber nicht die Arbeit. Ich liebe dieses Volk, aber nicht jenes.

Der Aufzug nach unten zur Quelle, das, was Buddha im Sinne hatte, ist die bedingungslose Liebe. Die bedingungslose Liebe urteilt nicht, deshalb bringt sie uns zurück an die Quelle, ins Nirwana.

Bemerkenswert ist, dass es vor allem die Gutmenschen sind, welche die Konflikte verursachen. Die Guten wollen sich für das Gute einsetzen, gegen das, was sie als schlecht bezeichnen. So etwas Ähnliches steht schon in der Bibel, wenn ich mich nicht irre. «Das Gute, das ich wollte, hat sich letztlich in das Gegenteil verkehrt.» Oder so ähnlich. Das ist logisch. Anders kann es nicht sein, weil durch die Förderung des „Guten“ automatisch das Gegenteil (= die Trennung) gefördert wird.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich sage nicht, dass Sie nicht ur-teilen/trennen sollen, schliesslich haben Sie keinen freien Willen. Tun Sie, was Sie tun müssen. Aber denken Sie daran, was meine Frau Françoise sagt: Das Leben kennt kein Reklamationsbüro.



...Françoise und René Egli sind ein wunderbares Ehepaar, das sich mit der Funktionsweise des Lebens befasst. Sie haben ihre Erkenntnisse im LOL²A-Prinzip zusammengefasst. Sie sind seit über 30 Jahren verheiratet und leben in der Schweiz und Frankreich und haben zwei verheiratete Söhne.

Beide sind gefragte Redner und veranstalten zahlreiche Vorträge, Workshops und Management-Seminare in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und in Frankreich. Beide gehören weder einer religiösen noch einer politischen Organisation an.

Von den Büchern, die Françoise und René Egli gemeinsam geschrieben haben, sind mittlerweile weltweit über eine Million Exemplare verkauft worden.

Newsletter bestellen