EU zielt auf Sparvermögen: Milliarden sollen in kriselnde Finanzmärkte gelenkt werden

Mit «finanzieller Bildung» und Steueranreizen will Brüssel Bürgergelder umlenken – Kritiker warnen vor Risiken, Illiquidität und versteckter Enteignung

Die Europäische Kommission plant, die rund 11 Billionen Euro an privaten Ersparnissen stärker in die Kapitalmärkte zu lenken. Ein Grossteil dieses Vermögens liegt bislang auf niedrig verzinsten Bankkonten. Künftig sollen steuerliche Anreize, neue Anlagekonten und verstärkte Finanzbildung (eher propaganda) Bürger dazu bewegen, mehr Geld in Aktien, Anleihen und andere Finanzprodukte zu investieren.

Offiziell verfolgt Brüssel damit das Ziel, Investitionen anzukurbeln und die Finanzierungslücke insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen zu schliessen. Doch der Vorstoss wirft grundlegende Fragen auf. Denn die Initiative fällt in eine Phase, in der Europas Finanzmärkte unter Druck stehen und Kapital zunehmend schwerer zu mobilisieren ist.

Kritiker sehen darin den Versuch, privates Vermögen gezielt in anfällige Marktstrukturen umzuleiten. Die Risiken werden dabei auf die Sparer verlagert: Während Bankeinlagen Sicherheit bieten, sind Kapitalmarktanlagen Schwankungen, Bewertungsunsicherheiten und potenziellen Verlusten ausgesetzt. Gleichzeitig könnten illiquide Anlageformen im Krisenfall den Zugriff auf Ersparnisse erschweren.

Besonders brisant ist die politische Dimension: Unter dem Schlagwort „finanzielle Bildung“ wird ein kultureller Wandel angestrebt, der Bürger stärker in die Rolle von Investoren drängt. Die Grenze zwischen freiwilliger Anlageentscheidung und politisch gewünschter Kapitallenkung wird dabei zunehmend unscharf.

Ob die Strategie aufgeht, ist offen. Klar ist jedoch: Sollte es zu Marktverwerfungen kommen, könnten ausgerechnet jene Haushalte die Folgen tragen, deren Ersparnisse bislang als stabiler Anker galten.