In der Zeitung steht ein Bericht über die wachsende Zahl tibetischer Yaks, die auf Weiden im Oberland grasen und den tierliebenden Wanderer in Entzücken versetzen. Man kann diese Yaks nicht anders als mögen, und auch der Berichterstatter, der die zottigen Kühe mit den grossen Hörnern beschreibt, hat seine Freude an ihnen. Er rühmt ihr robustes, genügsames Wesen, erzählt, wie sie fast alles fressen, was auf den Tisch kommt, wie sie kaum einen Tierarzt brauchen und wie die trächtigen Kühe sich kurz vor der Geburt von der Herde entfernen, um wenig später mit dem neugeborenen Kälbchen zurückzukehren.
Natürlich kann der Bericht die Frage nicht ganz umgehen, was mit den menschenfreundlichen Tieren, die so dankbar und anspruchslos sind, eines Tages geschieht. Nur zur Freude der Wanderer stehen sie nicht auf der Weide, und auch ihr Halter hält sie nicht bloss, um sie zu füttern und seinen Freunden zu zeigen. Zwanzig Jahre alt könnten sie werden – doch im dritten Jahr ihres Lebens ist ihr süsses Nichtstun vorbei. Investitionen müssen sich lohnen.
Diesen etwas unerfreulichen Nebenaspekt in Worte zu fassen, fällt dem Autor des Berichts nicht ganz leicht. Doch er muss da durch, und so schreibt er:
Jeweils im Herbst werden einige Tiere zum nächst gelegenen Schlachthof gebracht und anschliessend mit dem Kühlwagen ins Wallis transportiert.
Fehlt da nicht eine Information? Oder dürfen wir den Satz so verstehen, dass die lieben Tiere nach einer angenehm klimatisierten Fahrt den Sommer im Wallis verbringen?
Wir erfahren die Antwort sofort. Der Kühlwagen hält im Wallis vor einer spezialisierten Metzgerei, wo die Yaks verarbeitet werden. Verarbeitet. Zu Trockenfleisch und «Yak-Salametti».
Yak-Salametti. Wie eigenartig das klingt. Wie zwei Dinge, die nicht zusammengehören.