Swiss Online School – eine Alternative zum Frontalunterricht

Im gängigen Schulsystem wird immer noch in erster Linie Frontalunterricht geführt, obwohl Studien belegen, dass dies nur einen kleinen Teil der Schüler und Schülerinnen anspricht. Die Swiss Online School dagegen verfolgt ein anderes Konzept. 3 Fragen an Schulleiter Milan Schmed.

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Der 43-jährige Milan Schmed hat sich als Sport- und Allgemeinbildungslehrer jahrelang intensiv mit Bildung auseinandergesetzt. Was braucht ein Kind? Wie können unterschiedliche Bedürfnisse abgedeckt werden? Schliesslich hat der Churer, der heute in Dübendorf lebt und arbeitet, die Swiss Online School aufgebaut. Eine Schule, die einen individuellen Unterricht ermöglicht und die Schüler rund um die Welt und zu jeder Zeit besuchen können.

Zeitpunkt: Woher kam die Idee für die Swiss Online School ? Und ist sie anerkannt?

Milan Schmed: Als Lehrperson in der Berufsschule habe ich sehr heterogene Klassenzusammensetzungen. Schnell wurde mir bewusst, dass durch die Weiterentwicklung der technologischen Hilfsmittel ein individueller und zeit- und ortsunabhängiger Unterricht umsetzbar ist. So verlieren die Unterschiede der kognitiven Voraussetzungen an Bedeutung, und ich bringe alle Schüler und Schülerinnen zu den gleichen Lernzielen. Dieses Konzept haben wir in der Swiss Online School für die gesamte obligatorische Schulzeit und das 10. Schuljahr umgesetzt. Ein Online-Gymnasium und eine Gymivorbereitung folgen in Kürze.

Die Bildungsämter sind leider noch nicht so weit, dass sie Schulen akkreditieren, die online nach Lehrplan 21 arbeiten. Die Argumente zielen alle auf einen Frontalunterricht ab, der als nötig befunden wird. Dies, obwohl es genügend Belege gibt, dass ein Frontalunterricht nur einen kleinen Teil der Klasse anspricht. Es besteht ein veralteter Bundesgerichtsentscheid, der dies noch bestätigt. Auch das Fehlen von sozialen Interaktionen wird als Argument angefügt. Wir bieten aber regelmässig Live-Events an. Ausserdem arbeiten die Schüler und Schülerinnen bei uns schneller und haben so mehr Freizeit, um ihren sozialen Bedürfnissen nachzugehen.

Wer sind Ihre Schüler? Und wie viele sind es?

Unsere Schüler und Schülerinnen sind auf der ganzen Welt verteilt. Der Grossteil kommt aber aus der Schweiz. Es sind Schüler, die im klassischen Schulsetting Mühe haben. Dadurch, dass dieses einen individuellen Unterricht nur schwer zulässt, ist der Unterricht für sie eine grosse Leidensgeschichte. Einigen ist er zu langsam, anderen zu schnell. Wir können zum Beispiel durch unseren barrierefreien Inhalte auch auditive Lerntypen individuell abholen. Filme können mehrmals geschaut und an bestimmten Stellen gestoppt werden. Wir bieten auch Sportlern und Sportlerinnen die Möglichkeit, ihre Trainings optimal in den Lernprozess zu integrieren. Kinder mit Asperger-Syndrom oder anderen Leiden finden bei uns ein optimales Lernumfeld. Für Homeschooler sind wir eine geniale Lernhilfe. Reisende können die Schule einfach mitnehmen. Wir haben auch Schüler, die altersbedingt den Volksschulabschluss bei uns nachholen. Für Auslandschweizer bieten wir die Möglichkeit, nach dem Schweizer Schulsystem zu lernen. Im Moment unterrichten wir 194 Schüler und Schülerinnen.

Nahm die Zahl der Schüler während der Pandemie zu? Und könnte man sagen, dass die Swiss Online School die Schule der Zukunft ist?

Summa summarum kann man sagen, dass die Pandemie für uns keine grosse Rolle gespielt hat. Wir hatten auch keine grossen Abgänge, nachdem die Schulen wieder normal funktioniert haben. Für mich zeigt dies nur auf, dass die Swiss Online School im Schweizerischen Bildungssystem eine Lücke schliesst, welche für viele Kinder- und Jugendliche einen sicheren Bildungshafen bietet.

Während der Pandemie glaubten einige Interessenten, dass wir ebenfalls Frontalunterricht über Teams oder dergleichen anbieten. Viele können sich unser innovatives Lernsystem gar nicht richtig vorstellen, da es einzigartig ist. Daher bieten wir allen Schnupperzugänge an, damit man sich ein Bild machen kann. Erst nach dem Schnuppern wir einem klar, wie der Lernprozess funktioniert.

Ich betone immer, dass die Swiss Online School sich nicht als Konkurrenz zu anderen Schulsettings sieht, sondern als Alternative, die jetzt schon viele Schüler sehr glücklich macht. Daher werden wir auch immer wieder von Gemeinden und Schulen angefragt, ob ein Teil ihrer Schüler und Schülerinnen über uns unterrichtet werden darf. Innovative Schulleiter sehen das Potential, mit uns zusammenzuarbeiten. Mein Traum von einer innovativen Bildungslandschaft in der Schweiz wäre ein Nebeneinander von verschiedenen Bildungssettings. Schlussendlich geht es nicht um veraltete Gesetze oder konservative Meinungen von Amtsträgern. Sondern um jeden einzelnen Menschen, der einen intrinsisch motivierten Unterricht mit Freude erleben möchten.

25. Oktober 2022
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Kommentare

Zweifel am selbstorganisierten Lernen

von [email protected]
Jeder war jahrelang Schüler und ist insofern ein Bildungs-Experte. Ja und Nein. Ich mache nach mehrjähriger Lehrtätigkeit nicht Expertenwissen geltend, sondern den gesunden Menschenverstand. Die Schule ist ein Ort der sozialen Begegnung und der sozialen Bildung und insbesondere der adoleszenten Entwicklung. "Regelmässig Live-Events" sind kein Ersatz für den Präsenzunterricht, insbesondere nicht für Kinder und Jugendliche, die sozial benachteiligt sind. Ich bin dezidierter Verfechter des Frontalunterrichts. Keine Unterrichtsform spricht immer alle an. Im Wechsel liegt der Weisheit Schluss. Natürlich ist es bequemer, die Schüler mit Gruppenarbeit und Selbstorganisiertem Lernen (SOL) zu beauftragen und dann deren Resultate zu besprechen, als einen sauberen Frontalunterricht vorzubereiten. Doch das Resultat ist unsicher und dürftig. Der Unterricht sollte von regelmässigen kurzen Eigenleistungen durchsetzt sein. Das weckt das Interesse, dem Unterricht zu folgen, und bestätigt die Schüler mit Lernerfolg. Wie beim SOL steht die Selbstverantwortung im Vordergrund, aber auch die soziale Komponente, das Vertrauen und der Klassengeist. Ich ging so weit, dass die Schüler beim Durchgehen der Prüfung im Unterricht ihre eigenen Arbeiten korrigierten, einschliesslich Noten eintragen. Bei teils Prüfungen durften sich die Schüler während der Arbeit austauschen. Es passierte selten, dass jemand das über Gebühr zu seinem Vorteil nutzte. Der Lehrplan 21 ist nach meinem Verständnis unabhängig von allem ein praxisfernes und schädliches Leitinstrument. Auch Inklusion ist vielleicht gut gemeint, stresst jedoch Lehrpersonen wie Schüler, senkt die Klassenleistung und dient einzig der Zeitverrechnung von unverhältnismässig vielen Heilpädagogen. Sehr wertvoll wäre hingegen die Inversion, das gelegentliche Abhalten von beispielsweise Mathematikunterricht in einer Fremdsprache. Inversion fördert und festigt sowohl die Fremdsprache als auch das Fach selbst. Auch Klassenevents, Tagesreisen, Lagerwochen, Exkursionen sind durch nichts zu ersetzen.