Rasende Zerstörung
Über Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie in Berlin vom 26.-29. März
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Prof. Klaus-Jürgen Bruder, Screenshot Youtube

Vom 26. bis 29. März 2026 führte die Neue Gesellschaft für Psychologie (NGfP) ihren Jahreskongress im Xelor Kesselhaus in Berlin durch. Es wurden 19 Referate gehalten. Rund 150 Teilnehmer hatten sich eingefunden, um den avantgardistischen Aussagen zuzuhören und die vorgetragenen Themen zu diskutieren.

Dass ihr in mir Frieden habet ...

Der prominente Theologe Eugen Drewermann setzte sich in einer flammenden Rede für den Frieden ein: «Nur durch Frieden bewahren wir uns selbst.» In der Bergpredigt sah er einen Weg zum Frieden, mit ihr lasse sich trefflich Politik machen. Man solle dem Bösen keinen Widerstand entgegensetzen. Wie setze man dem Bösen keinen Widerstand entgegen? Im Zug nach Berlin habe er gerade mitbekommen, wie eine Mutter ihr Kind, das störte und Lärm machte, nicht schimpfte, sondern in den Arm nahm. So etwa stelle er sich das vor.

Aber immer noch handelten die Menschen wie ihre tierischen Geschwister, die Schimpansen, indem sie sich rauften und prügelten. Es werde mit einem Gleichgewicht des Schreckens argumentiert und ständig Angst erzeugt. Dabei habe Jesus uns die wichtige Botschaft hinterlassen: «Den Frieden lasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!» (Johannes 14, 27) Gott wolle keinen Krieg. Frieden komme nicht durch Stärke, sondern durch Selbstbewahrung. Abrüstung wäre die richtige Zeitenwende. Und man müsse sich entscheiden: Gott dienen oder dem Mammon?

Strategien der Entpolitisierung

Irankrieg, Kontokündigungen wie bei dem Pro-Bargeld-Aktivisten Hans-Jörg Stützle, Inhaftierung politisch aktiver Bürger aus dem Corona-Widerstand – aber kein öffentlicher Protest – das bedauerte Prof. Klaus-Jürgen Bruder. Das Corona-Regime habe erfolgreich zur Entpolitisierung beigetragen. Mit scharfem Kasernenton und «Maske auf!», mit Narrativen, die man glauben musste, mit totalen Institutionen. Totalitäre Tendenzen würden erfolgreich hinter der «Demokratie» versteckt, der Volkswille gebrochen und kanalisiert. Keine Diskussion! Das Mediensystem zeige sich als ein Imperium der Lüge. Man wolle Affirmation, auch in der Psychologie. Psychologen und Therapeuten hätten sich sogar besonders für das Coronaregime eingesetzt und arbeiteten somit gegen die Politisierung der Bevölkerung. Empörung sei der legitime Ausgang der Gesellschaftskritik. Schalte man das Volk aus dem politischen Prozess aus, nähre man den Faschismus.

Der Historiker Prof. Wolfgang Krieger ging auf geschichtliche Hintergründe des Ukrainekriegs ein und stellte fest, dass die fehlende Opposition in Deutschland eine lange Geschichte habe. Diese müsse man erst einmal verstehen. Nach seiner Einschätzung würden die USA aktuell getrieben von ihrer eigenen Katastrophe.

Wir rutschen in den Totalitarismus

Der Publizist Wolfgang Bittner konstatierte ebenfalls eine indoktrinierte passive deutsche Bevölkerung. In der Coronazeit hätten verfassungswidrige Massnahmen am Parlament vorbei stattgefunden. Gewaltenteilung und Grundrechte wurden vernachlässigt. Die Situation erinnerte an die totalitärer Staaten oder an Kriegszustände. Mit Aussagen wie sie Aussenminister Wadephul getätigt habe «Russland wird immer ein Feind für uns bleiben!» solle die «Kriegstüchtigkeit» in Fahrt gebracht und ein Krieg gegen Russland vorbereitet werden. Es liesse sich nicht übersehen, dass die Regierung Merz Deutschland auf einen Krieg mit Russland vorbereiten wolle. Aber es rege sich kein Protest gegen die Kriegsvorbereitungen, stattdessen «Demos gegen Rechts». Wer unerwünschte Meinungen äussere, werde sanktioniert, siehe die EU-Sanktionen gegen kritische Journalisten. Dazu komme die zunehmende Digitalisierung mit E-Wallet und E-ID, Deutschland solle ein KI-Staat werden, der der Überwachung diene. Fazit: Deutschland ist eine «Vorkriegsnation».

Menschenfressende KI

Die Politologin Magda von Garrel wies darauf hin, dass den Herrschenden mit der KI ein mächtiges Instrument zur Verfügung stehe. Die KI sei verführerisch für die Nutzer, weil sie auf Bestätigung angelegt sei, führe aber zu Selbstentfremdung. Die Politik möchte die KI unbedingt in das Bildungswesen übernehmen, dabei biete diese grosse Nachteile: Unzuverlässigkeit der Informationen, Lehrer könnten die tatsächliche Schülerleistung schwer überprüfen. Die Schüler erlebten keine Selbstwirksamkeit mehr. Worauf sollten sie denn noch stolz sein? Die «Prüfungskultur» müsse angepasst werden. Weniger Berührung, weniger Kontakte. Chat GPT werde von jungem Menschen als Freund wahrgenommen und bestätige sogar suizidale Gedanken. Mittlerweile gebe es gar KI-Partnerschaften. So entstünden private Schweinwelten. KI generiere ausserdem Kinderpornographie. Eine hohe Arbeitslosigkeit sei ausserdem zu erwarten. In Hollywood fürchten etwaSchauspieler und Stuntmen um ihre Arbeit. Grosse psychische Belastungen hätten die Contentmoderatoren, die in Afrika verstörende Bilder aus dem Netz entfernen. Mit der KI gehe es letztendlich darum, uns immer abhängiger zu machen.

Der Psychologe und Politikwissenschaftler Benjamin Lemke, erster Vorsitzender der NGfP, sprach über die zunehmende MIlitarisierung Deutschlands, das als NATO-Drehscheibe genutzt werden soll. Dabei würden zivile Einrichtungen wie Bahnhöfe und Autobahnen genutzt und entsprechend ausgebaut. Neue Sicherheitsgesetze, OP-Säle unter der Erde, zivile Verteidigung der Krankenhäuser gehörten dazu. Der Staat mutiere zur Einsatzleitstelle. Parallel dazu: Abschaffung des Bürgergelds, Reduktion ärztlicher Leistungen, Einengung der EU-Freizügigkeit, Änderung von Arbeitnehmerrechten. Und das alles laufe unter«Vereinfachung und Modernisierung».

Kriegsvorbereitung als gesellschaftliches Projekt

Der ehemalige Offizier und Autor Wolfgang Effenberger machte deutlich, dass Kriege immer systematisch vorbereitet würden und ein kulturelles Phänomen seien. Für die USA gelte aktuell «win in a complex world» als Langzeit-Strategie. Medien stellten sich als Kriegswaffe dar. Man spreche mittlerweile vom «Omniwar», vom Zellkern bis zur Stratosphäre, das heisst, es werde ein verdeckter, aber allgegenwärtiger Krieg geführt. Ziel: Kontrolle etablieren. Das Coronaregime hätte den Omniwar eingeleitet. Die Demokratie würde funktional umgebaut, der Mensch zum verwalteten, optimierten und überwachten Datenträger, der an die Gewaltlogik gewöhnt werde.

Rudolph Bauer, Sozialwissenschaftler und Autor, stelte klar, dass Militarisierung bereits ein Teil der Kriegsführung sei. Es fänden keine Angriffskriege statt, ohne dass im Vorfeld eine Militarisierung stattgefunden hätte. Corona sei eine militärische Aktion gewesen. Nicht umsonst sei General Carsten Breuer Leiter des Corona-Krisenstabes gewesen und hätte danach eine beachtliche Karriere gemacht. In Wirtschaftsflauten ergebe sich häufig das gleiche Muster. Kriege sollen die Wirtschaftsflaute hinauszögern. Der folgende Wiederaufbau bringe dann die Wirtschaft erneut in Schwung.

Der Sozialwissenschaftler Manfred Sohn erinnerte daran, dass Kriege teuer sind, Inflation erzeugen und die Währung zerrütten. Deutschland würde aufgrund der Aufrüstung auf Verschleiss gefahren. Jeder Cent, den man für Sozialausgaben rette, fliesse nicht in die Rüstung.

Ich – hier – jetzt!

Prof. Norbert Wohlfahrt beschäftigte sich mit der Strategie der Resilienz, die für die Militarisierung nutzbar gemacht werde und beispielsweise in «Resilienzzentren» auf Landkreisebene praktische Umsetzung erfahren soll. Auch an Schulen wolle man Resilienz erzeugen, indem dort auf den Kriegsfall vorbereitet werde. Ausserdem wolle die EU ein Zentrum für demokratische Resilienz einrichten. Das «resiliente» Individuum sehe im Kriegsfall nach dem Eindruck von Tod, Zerstörung und Verlust weiterhin einen Sinn im Leben und hätte «innere Wehrhaftigkeit»entwickelt. Emotionsregulation könne etwa mit Hilfe des Mantras:«Ich – hier -jetzt!»erfolgen. Das Individuum müsse auch verinnerlichen, dass die staatliche Gewalt einem höheren Zweck diene und die Opferung des eigenen Lebens grossen gemeinsamen Zielen, etwa der Stärkung unserer Demokratie oder dem Erhalt der Art, wie wir leben, diene. Das Recht des Einzelnen zähle nicht mehr viel, wenn etwa Generalleutnant Christian Freuding propagiere:«Alles für die Freiheit aufzugeben, das ist Freiheit.»

Der «böse Russe» und die deutsche Geschichtsvergessenheit

Der Autor Michael Schneider ging auf die«neue Russophobie» ein, die sich in Deutschland zeige. Viele Deutsche wüssten nichts über die Feldzüge, die ihr Land bereits gegen Russland geführt habe. Im 2. Weltkrieg hätte der grausamste Feldzug stattgefunden, der 27 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Bis heute sei dieser schmerzhafte Verlust ein kollektives Trauma in Russland, das in vielen Büchern, Filmen, Fotografien, Liedern und Denkmälern Ausdruck findet. Und dennoch hätte man in Russland grossen Respekt vor der deutschen Kultur. Dem kollektiven Kriegstrauma in Russland entspreche also eine kollektive Amnesie in Deutschland. Es werde verdrängt, was den Russen damals angetan wurde, dabei handelte es sich um den ungeheuerlichsten Raub- und Vernichtungsfeldzug der Moderne.

Epidemie des Todes

René Kirschey trug einen eindrucksvollen Text der Journalistin Karin Leukefeld zur Lage im Nahen Osten vor. Hierin schilderte Leukefeld u.a. das perfide militärische Vorgehen bei sogenannten Doppelschlägen. Conny Stahmer-Weinandy, zweite Vorsitzende der NGfP, verlas einen Text, der erst kürzlich verstorbenen Psychoanalytikerin Almuth Bruder-Bezzel. In ihrem Text ging die Psychoanalytikerin der Frage nach, was Individuen zu Unterordnung und Aufgabe der Autonomie, wie etwa in der Coronazeit, bewege. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft, Liebe, Anerkennung sei bei vielen Menschen so gross, dass sie zu Mitläufern würden.Die Soziologin Annette Groth sprach über den Konflikt in Palästina und Neokolonialismus und geisselte die Rüstungsexporte nach Israel. Auf den Abstieg des US-geführten Imperialismus ging der Publizist Werner Rügemer ein und zitierte Foreign Affairs: Die USA sei eine «brüchige Gerontokratie». Amerika führe seine Kriege auf Kredit. Es finde ausserdem ein innerer Verfall statt: Die Klasse der Reichen schwimme im Luxus und schwärme von Longevity, während die Arbeiterklasse drogensüchtig,fettleibig und krank sei. Man spreche von einer«Epidemie des Todes» durch: Medikamente, Drogen, Selbstmord, Amokläufe, Waffengewalt ... 

Diese Phänomene griffen auch auf die befreundeten Staaten über. Alternative Modelle: China, BRICS und eine multipolare Weltordnung. Der Verleger und Autor Hannes Hofbauer aus Wien stellte zu den aktuellen willkürlichen EU-Sanktionen gegen kritische Journalisten - durch Vermögensentzug und Ein- bzw. Ausreiseverbote ohne Anklage und Schuldspruch - historische Bezüge her. So bürgerten die Nationalsozialisten Schriftsteller im grossen Stile aus, etwa auch Thomas Mann.

Verordnete Resilienz

Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Eva Borst warnte davor, dass eine pathologische Gesellschaft sich für die nachwachsenden Generationen als Normalität darstelle und konstatierte eine Zunahme der Untertanenmentalität im Erziehungswesen. Dazu habe das Coronaregime mit seinen Massnahmen beigetragen, die im pädagogischen Bereich meist völlig unkritisch umgesetzt wurden. Eigentlich stamme der Begriff «Resilienz» aus der Traumaforschung. Resilienz entstünde ausserdem in Beziehungen. Mittlerweile sei jedoch von «Resilienzkompetenz» die Rede. Resilienz verkomme so zur Technik, die umstandslos wieder fit fürs Leben mache. Ein Mangel an Resilienzfähigkeit würde entsprechend als persönliches Versagen angekreidet. Mit dem Begriff würden Menschen zum Stillhalten und Schweigen gebracht. Resilienz sei so zum kontaminierten Begriff geworden. Bildung sei jedoch immer mit Denken verbunden und «Denken ist gefährlich.»(Hannah Ahrendt) Ein Lichtpunkt seien etwa die aktuellen Schülerstreiks für den Frieden. Die Lehrkräfte sollten hierbei vorangehen.

Der Journalist und Autor Patrik Baab ging mit seiner Zunft ins Gericht und diagnostizierte eine Psychopathologie der Lohnschreiber, die uns in den Krieg trieben. Journalisten seien oft narzisstisch orientiert und konformistisch. Die Mainstreammedien kanalisierten die unterschwellige Wut der Bevölkerung, seien zuständig für Affektmanagement. Schnelligkeit, Emotionalisierung und Kampagnenjournalismus führten im Westen zu Realitätsverlust. Hebel der Macht seien die USA-hörigen akademischen, oft prekär beschäftigten, Eliten. Und so breche der demokratische Diskursraum zusammen. Baabs Erfahrung von der Ukrainefront sei für uns alle nützlich :«Raus aus dem Netz und immer in Bewegung bleiben!» 

Ein Kongressband wird von der Neuen Gesellschaft für Psychologie vorgelegt.

Dr. Christine Born

Dr. Christine Born

Dr. Christine Born ist Diplom-Journalistin und Autorin. Sie interessiert sich für Politik, Kultur, Pädagogik, Psychologie sowie Naturthemen aller Art.

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