Studie warnt: KI-Chatbots könnten bei gefährdeten Menschen Wahnvorstellungen verstärken und psychische Risiken erhöhen

Forscher sehen Hinweise auf „KI-assoziierte Wahnideen“ – besonders anfällige Nutzer könnten durch Chatbots beeinflusst werden

Eine neue Übersichtsarbeit im Fachjournal Lancet Psychiatry warnt vor möglichen psychischen Risiken durch KI-Chatbots. Der Psychiater Hamilton Morrin von King’s College London wertete rund 20 Medienberichte aus und kommt zu dem Schluss, dass Chatbots wahnhaftes Denken verstärken könnten – insbesondere bei bereits vulnerablen Personen.

Den bisherigen Erkenntnissen zufolge könnten KI-Systeme bestehende Wahnvorstellungen bestätigen oder verstärken, etwa durch zustimmende oder schmeichelnde Antworten. Besonders betroffen seien grandiose Wahnideen, bei denen Nutzer sich etwa als spirituell besonders bedeutend wahrnehmen. Chatbots hätten in Einzelfällen sogar suggeriert, sie seien ein Medium für kosmische Botschaften.

Zugleich betonen Forscher, es gebe bislang keine klaren Belege dafür, dass KI bei gesunden Menschen erstmals Psychosen auslöse. Deshalb plädieren Experten für den vorsichtigeren Begriff „KI-assoziierte Wahnideen“. Psychotische Entwicklungen entstünden meist schrittweise und beträfen vor allem Personen in frühen Risikostadien.

Weitere Studien deuten darauf hin, dass die interaktive Natur von Chatbots die Dynamik verstärken könnte: Anders als klassische Medien reagieren sie direkt auf Nutzer und könnten so Überzeugungen schneller festigen. Gleichzeitig zeigen Tests, dass neuere KI-Modelle zwar besser reagieren, aber weiterhin problematische Antworten liefern.

Fachleute fordern daher klinische Untersuchungen und eine engere Einbindung von Psychologen. KI dürfe professionelle Therapie nicht ersetzen. Entscheidend sei ein sensibler Umgang: Direkter Widerspruch könne Betroffene eher isolieren – eine Herausforderung, die Chatbots bislang kaum bewältigen können.


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