Der auf der Plattform Swiss Policy Research veröffentlichte Essay «From Covid Skeptic to Israel Partisan» untersucht ein auffälliges Phänomen der letzten Jahre: Zahlreiche prominente Kritiker der Corona-Massnahmen entwickelten sich nach dem 7. Oktober 2023 zu entschiedenen Unterstützern Israels und seiner Kriege in Gaza, im Libanon und gegen Iran.
Der Autor argumentiert, dies sei kein Zufall. Während viele linke oder antiimperialistische Stimmen während der Pandemie staatliche Massnahmen unterstützten oder wenig Kritik äusserten, seien grosse Teile der Corona-Skepsis von konservativen und libertären Milieus getragen worden. Genau in diesen Kreisen gebe es zugleich starke pro-israelische Strömungen – etwa christliche Zionisten, jüdische Zionisten oder nationalkonservative Zionisten.
Der Text nennt zahlreiche Beispiele aus den USA, Europa und Israel. So hätten die US-Bundesstaaten Texas, Florida und South Dakota, die sich gegen harte Corona-Massnahmen stellten, allesamt konservative Gouverneure mit ausgeprägt pro-israelischer Haltung gehabt. Auch mehrere bekannte amerikanische Covid-Skeptiker auf Substack oder X seien später als dezidierte Israel-Unterstützer aufgetreten.
In Grossbritannien wird besonders das Magazin «Daily Sceptic» erwähnt, das während der Pandemie zu den wichtigsten kritischen Plattformen gehörte und seit Oktober 2023 eine stark pro-israelische Linie vertrete. In Deutschland hätten verschiedene rechte oder alternative Medien wie «Nius», «Apollo News» oder «Reitschuster» sowohl gegen Corona-Massnahmen mobilisiert als auch später pro-israelische Positionen übernommen.
Auch die Schweiz wird erwähnt: Die Die Weltwoche habe sich zunächst gegen Corona-Massnahmen positioniert und vertrete heute harte zionistische Standpunkte. Der Autor verweist dabei auf frühere Tätigkeiten von Verleger und Chefredaktor Roger Köppel bei dem deutschen Verlag Axel Springer, dessen publizistische Leitlinien Unterstützung für Israel einschliessen.
Der Essay zieht daraus den Schluss, dass viele Corona-Aktivisten weniger von allgemeiner Skepsis als von ideologischen Grundüberzeugungen geprägt gewesen seien. Gleichzeitig betont der Autor, dass es auch zahlreiche konservative Israel-Kritiker gebe und viele liberale Zionisten während der Pandemie die offiziellen Corona-Narrative unterstützt hätten.
Genannte Beispiele im Text
* Greg Abbott (Texas)
* Ron DeSantis (Florida)
* Kristi Noem (South Dakota)
* «Daily Sceptic» (Grossbritannien)
* «Rebel News» (Kanada)
* «Nius» (Deutschland)
* «Apollo News» (Deutschland)
* «Reitschuster» (Deutschland)
* Die Weltwoche
* Diverse X-/Twitter-Influencer wie «Corona Realism» oder «MilkBarTV»