Gut Nassanger in Lichtenfels, hat eine bewegte Geschichte – als Versorgungsbetrieb für Klöster, als Tierpark, als Nachtclub, als Lager für Antiquitäten. Nun könnte der malerisch gelegene Rundbau aus dem 17. Jahrhundert zum «Friedenszentrum Europa» werden. Das ist jedenfalls die kühne Vision einer Gruppe, die an diesen Ort «geführt wurde», wie sie es empfinden.
Corina Walch aus dem Wallis, zusammen mit Josch Frisch und Ute Peppermüller Teil des dreiköpfigen Kernteams, war von der Idee sofort total begeistert, als sie davon hörte: Einen Ort aufzubauen, wo man erforschen und erfahren kann, was Frieden eigentlich ist und wie eine friedliche Zukunft aussehen könnte.
«Die Vision ist: 2070 ist Frieden für alle selbstverständlich», so Corina. «In Kokreation und Kooperation wollen wir ein Leuchtturm-Modell für wahrhaftigen Frieden entwickeln.» Dafür soll ein Treffpunkt für europäische Friedenskräfte entstehen, der Raum bietet für Friedensforschung und -bildung. «Wir wollen eine Friedenskultur entwickeln, die uns Menschen unabhängig von religiösen, kulturellen oder nationalen Prägungen verbindet.»
Zukunftsfähige Lösungen sollen wie in einer Art Zukunftsmuseum erfahrbar werden: Konfliktlösungs- und Kooperationstechniken, Gemeinwohl Ökonomie, regenerative Ressourcennutzung sowie Land- und Bauwirtschaft, und vieles mehr.
Wie kam es dazu?
Nach einer einjährigen Ausbildung im Rahmen der Friedensforschungsgemeinschaft Tamera mit rund 90 Menschen aller Altersstufen fanden einige der TeilnehmerInnen, dass die grosse Aufbruchskraft und Gemeinschaftsenergie weitergehen sollte.
Josch und Ute – Teil dieser Friedensforschungsgruppe – stiessen kurz darauf auf das Gut Nassanger. Sie hatten gleich das Gefühl: Hier ist es. Dies könnte der Ort für eine grosse gemeinsame friedensstiftende Aufgabe sein.
Architektonisch gibt das rundgebaute Gut Rätsel auf: Was hat die Erbauer dazu geführt, ein so ungewöhnliches Bauwerk zu bauen, das mit seinen 12 Tore zum Innenhof sowie den 365 Fenstern den Jahreskalender abbildet? Die praktische Erklärung dafür – gleiche Wege von den Stallungen zum Misthaufen – überzeugen nicht wirklich. Irgendwie scheint der Ort eine Bestimmung zu haben. Der einzigartige Rundbau mit 3000 m² Gebäudefläche, sowie 32 000 m² Land mit Gärten, Wald und Wasser, bietet ideale Voraussetzungen für die Friedensarbeit.
Vielleicht hat er sie ja gerufen?
Um Friedenskultur zu fördern, besinnen sie sich analog zu den 12 Toren plus einem grösseren Eingangstor auf 13 Werte. Frieden steht als 13. Wert im Zentrum, umgeben von Freiheit, Freude, Liebe, Weisheit, Würde, Wahrhaftigkeit, Sinn, Ruhe, Vertrauen, Verantwortung, Heilung und Harmonie.
«Wir haben stark das Gefühl, da will etwas durch uns entstehen, wir sind nur Teil davon und wurden hierher gerufen.» So viele Aspekte könnten hier geheilt werden: das Verhältnis zur Religion, das Verhältnis von Menschen und Tieren, das Verhältnis von Mann und Frau. «Spätestens als mir bewusst wurde, dass wir den Gut Nassanger genau 333 Jahre nach seiner Gründung 1692 entdeckten, war mir klar, dass dieser Kraftort nur darauf wartete, von uns gefunden zu werden.»
Wie weiter?
Josch und Ute wagten es, unterschrieben den Kaufvertrag und leisteten eine Anzahlung. Der «Rest» des Geldes – rund 700 000 Euro – ist im März 2026 fällig und soll durch ein gemeinsames Crowdfunding von friedensfördernden Initiativen zusammenkommen. Dafür arbeitet das Team unermüdlich und schafft die benötigten organisatorischen und konzeptionellen Voraussetzungen für die weiteren Projekte zur Friedensförderung, wie z.B. Stiftung, regenerative Genossenschaft und ein Friedensförderbündnis von NGOs.
Wer sich gerufen fühlt und gerne mit seinen Kompetenzen und finanziellen Ressourcen beitragen möchte, um ihre Mission «Frieden machbar machen» zu unterstützen, melde sich bitte hier: [email protected]
Die Webseite: www.friedenszentrum-europa.org ist im Aufbau.