Passenderweise erscheint das Buch in der Zeitpunkt-Reihe «Brennende Bärte». Der Name geht auf ein Zitat Lichtenbergs zurück: «Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.» Noch bevor die Fackel richtig brennt, riecht es bereits nach versengtem Haar.
Georg Häsler, NZZ-Sicherheitsexperte, Oberst, Bartträger und Gegner der Neutralitätsinitiative, warnte am Montag die Mitglieder des von ihm mitgeleiteten «Bern Security Dialogue» vor einem «verschwörungstheoretischen Werk». Darin werde behauptet, «dass ein klandestines, transnationales Netzwerk versuche, die Politik einer freien und demokratischen Nation mit undurchsichtigen Mitteln zu beeinflussen». Das sei «absurd».
Das Interessante daran: «klandestin» ist Häslers Wort, nicht dasjenige des Autors. Im Buch kommt es kein einziges Mal vor. Häsler liefert also nicht nur die Kritik, sondern gleich noch die passende Verschwörungstheorie dazu.
Bemerkenswert ist auch das Tempo. Das Buch konnte zum Zeitpunkt seiner Warnung noch gar nicht bestellt werden. Häsler scheint über einen sicherheitspolitischen Frühwarnradar zu verfügen, von dem gewöhnliche Leser nur träumen können.
Tatsächlich beschreibt Lutz transatlantische Netzwerke in Bundesbern, Denkfabriken, Rüstungsindustrie und Medien. Auch Häsler und sein «Bern Security Dialogue» kommen darin vor.
Inzwischen ist sogar eine Abmahnung eingetroffen. Zurückgenommen werden sollen Aussagen, die im Buch gar nicht gemacht werden. Mehr lässt sich derzeit nicht sagen: Das Verfahren läuft.
Das Buch ist eben erst erschienen. Aber die Reihe «Brennende Bärte» trägt ihren Namen bereits zu Recht.
