Warum manche Ereignisse völlig überraschend eintreten, während andere vorhersehbar erscheinen, untersucht eine neue Studie der Stanford University. Das Forschungsteam um Nir Halevy kommt zu dem Schluss, dass nicht nur fehlende Informationen für Fehlprognosen verantwortlich sind, sondern vor allem die Art und Weise, wie Menschen Informationen interpretieren.
Die sogenannte Construal Level Theory besagt, dass Menschen Ereignisse entweder abstrakt oder konkret betrachten – abhängig von ihrer psychologischen Distanz.
Abstraktes Denken hilft, übergeordnete Muster zu erkennen, birgt jedoch die Gefahr, sich auf vereinfachte Annahmen oder Stereotype zu verlassen.
Konkretes Denken hingegen fokussiert auf Details, kann aber dazu führen, dass größere Zusammenhänge übersehen werden. Laut den Forschern entstehen strategische Überraschungen häufig dann, wenn Entscheidungsträger zu stark in einem dieser Denkmodi verharren.
Sowohl das Überbewerten einzelner Signale als auch das Festhalten an allgemeinen Annahmen führt zu Fehlentscheidungen. Das zeigen die Autoren anhand von Beispielen aus Poilitik und Wirtschaft. Ein ausgewogenes Wechseln zwischen beiden Perspektiven sei daher entscheidend, um Risiken besser zu erkennen.
Praktisch bedeutet dies, gezielt zwischen „Warum“- und „Wie“-Fragen zu wechseln oder sowohl kurzfristige als auch langfristige Szenarien zu durchdenken. Unternehmen könnten etwa Teams einsetzen, die unterschiedliche Denkansätze verfolgen, um ein vollständigeres Bild zu gewinnen.
Die Erkenntnisse sind laut Studie nicht nur für Führungskräfte oder Sicherheitsanalysten relevant, sondern für alltägliche Entscheidungen. Da Menschen ständig versuchen, zukünftige Entwicklungen vorherzusagen, könne ein bewusster Perspektivwechsel helfen, Überraschungen im Berufs- und Privatleben besser zu antizipieren.
Quelle: Stanford Report: Why surprises catch us off guard – and how to anticipate the unexpected. 11.3.2026