Warum zwei Ärzte die Starlink-Bodenstation im Wallis verhindern wollen
Eine geplante Starlink-Bodenstation mit 40 Antennen auf dem Brentjong-Plateau im Kanton Wallis wurde bewilligt, doch das Verfahren ist noch nicht rechtskräftig. Zwei Hausärzte, Dr. Hanna Schnyder Etienne und Dr. Roman Kuonen, kämpfen mit einer Bürgerinitiative dagegen. Der Fall liegt nun beim Walliser Staatsrat und könnte bis vor Bundesgericht gehen.
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Zeitpunkt: Sie haben als Hausärzte den Verein «Schutz vor Satellitenstrahlung Region Leuk» gegründet und eine Beschwerde gegen die Baubewilligung der Starlink-Bodenstation eingelegt. Was hat Sie persönlich als Mediziner dazu bewogen, sich so aktiv gegen dieses Projekt zu engagieren, und wie hat die Gemeinde darauf reagiert?

Dr. Hanna Schnyder Etienne und Dr. Roman Kuonen: Der Ausgangspunkt für uns war die WHO-Studie von Mevissen et al. vom Mai 2025, die bei Tieren einen Zusammenhang zwischen hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung und Krebserkrankungen feststellte. Im Juni 2025 wurde das Baugesuch für die 40 Starlink Antennen in Leuk eingereicht. Die geplanten 40 Starlink Satellitenantennen strahlen im Bereich von 25-30 GHz, also im Bereich des von der WHO untersuchten Strahlungsbereichs. Dieser Zusammenhang war entscheidend für unser Engagement gegen das Starlinkprojekt. Die Gemeinde hat auf unserer Opposition ablehnend reagiert und im November 2025 unsere Einsprache gegen die Baubewilligung abgewiesen. Wir haben im Dezember 2025 unseren Rekurs an den Walliser Staatsrat eingereicht, bis zum jetzigen Zeitpunkt ist kein Entscheid der Walliser Regierung erfolgt.

Welche konkreten gesundheitlichen Risiken sehen Sie für die Anwohnerinnen und Anwohner in Leuk, und warum reichen Ihrer Meinung nach die geltenden Grenzwerte nicht aus?

Die WHO-Studie hat negative Auswirkungen bei Tieren nachgewiesen. Menschen sind vergleichbar in den biologischen Wirkungen der Strahlung. Insbesondere ist zu erwähnen, dass die zitierte Studie Krebserkrankungen nachgewiesen hat unterhalb der geltenden Grenzwerte für den Mobilfunk 5G (bis 3.5 GHz). Als korrekte Schlussfolgerung müssten also die Grenzwerte gesenkt werden, um den Bevölkerungsschutz zu gewährleisten. Die Starlink Satellitenantennen senden in einem viel höheren Frequenzbereich von 25-30 GHz und mit einer viel höheren Leistung als Mobilfunkantennen. Starlinkantennen werden als Richtfunkantennen bezeichnet und unterliegen nicht der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV). Es gelten aber die Umweltschutzgesetzgebung (USG) und bundesgerichtliche Entscheide sowie das Vorsorgeprinzip. Konkret sehen wir für Anwohner der geplanten Station gesundheitliche Risiken, wie sie bei den Tieren in der WHO-Studie nachgewiesen wurde, insbesondere für Krebserkrankungen im Hirn und Herz.

Die Bodenstation liegt im oder nahe dem Naturpark Pfyn-Finges, einem Gebiet mit hoher Artenvielfalt. Welche Auswirkungen auf Vögel, Insekten und die Umwelt befürchten Sie durch die Streustrahlung und den hohen Stromverbrauch, und wie begründen Sie diese Bedenken wissenschaftlich?

Aus physikalischen Gründen entstehen an der Antenne Streustrahlungen, sogenannte Nebenkeulen. Diese Nebenkeulen strahlen in die Umgebung der Antenne und treffen dort Menschen und Tiere. Der Hauptstrahl, der Up-Link der Antenne (Strahl von Antenne zu den Satelliten), weist jedoch eine weit grössere Leistung auf als die Nebenkeulen. Jede einzelne Starlink Satellitenantenne ist beweglich (adaptativ) und sendet wie bereits erwähnt mit viel mehr Leistung und in einem viel höheren Frequenzbereich von 25-30 GHz als üblich zu den Satelliten in einem Abstrahlwinkel von 140 Grad (ab 20 Grad über der Horizontalen) rundum und dies x 40 und trifft dort auf Vögel und Insekten. Wissenschaftlichen Studien belegen, dass bei Vögeln der Orientierungssinn gestört wird und dass bei Insekten sowohl thermische Effekte der elektromagnetischen Strahlung auftreten als auch nicht-thermische Effekte wie beispielsweise Verringerung der Fortpflanzungsfähigkeit, Verhaltensstörungen und Schäden am Erbgut der Insekten. In Anbetracht der dramatischen Abnahme der Biodiversität sind solche Auswirkungen auf die Tierwelt als sehr besorgniserregend zu bezeichnen.

Der Energiebedarf der geplanten Starlink-Anlage beläuft sich auf den Verbrauch von 400 Einfamilienhäusern. Zusätzlich mögliche Rechenzentren würden neben Elektrizität auch noch Kühlwasser benötigen in grossen Mengen. Sowohl Elektrizität als auch Wasser sind strategisch wichtige Ressourcen und ihr Verbrauch darf nicht einfach privaten Interessen wie dieser Starlink-Station geopfert werden. Bezüglich Wasser- und Elektrizitätsverbrauch von Datenzentren sei auf die aktuelle Diskussion um das Stack Infrastructure Datencenter in Beringen im Kanton Schaffhausen verwiesen. 

Sie kritisieren die Abhängigkeit von einem privaten US-Unternehmen und mögliche strategische Implikationen. Warum sehen Sie in dieser Starlink-Station nicht nur ein lokales, sondern ein nationales und geopolitisches Thema für die Schweiz, insbesondere hinsichtlich Datensouveränität und Neutralität?

Die Starlink-Station würde von der US-amerikanischen Firma SpaceX mit besten Beziehungen zur US-Regierung betrieben. SpaceX verfügt mit dem Starlink-Satellitensystem über ein weltweites Kommunikationssystem. Diese überdimensionierte geplante Starlink-Station in Leuk wäre Teil dieses Systems. Der Datenverkehr ist durch schweizerische Behörden nicht kontrollierbar. Alle Daten dieses Systems unterliegen der amerikanischen Gesetzgebung, insbesondere dem Cloud Act, mit dem die US-Regierung Zugang erhält zu allen Daten. Das Starlink-Satelliteninternet kann jederzeit von den USA aus unterbrochen werden, sodass wir in der Schweiz der Willkür der USA und von Elon Musk ausgeliefert sind.  Bezüglich der Neutralität ist festzuhalten: Bei bewaffneten Konflikten könnte Leuk als Standort dieser strategisch wichtigen Bodenstation ins Visier geraten. Die Fragen des Rechtsanspruchs auf Zugang und Kontrolle der Daten und Datensouveränität müssen in einem demokratischen Prozess geklärt werden.

Das Verfahren liegt derzeit beim Walliser Staatsrat und könnte bis vor Bundesgericht gehen. Wie schätzen Sie die Chancen Ihrer Beschwerde ein, und was müsste passieren, damit eine breite nationale Grundsatzdiskussion über solche Satellitenbodenstationen in der Schweiz stattfindet?

Die Zeit arbeitet für uns. Das Thema der digitalen Abhängigkeit von grossen amerikanischen Technologiefirmen gewinnt an Aufmerksamkeit, damit auch die Fragen nach europäischen Alternativen. Die geplante Starlink-Station ist ein Puzzleteil in der digitalen Abhängigkeit und rückt die drängende Frage der nationalen Souveränität auf das politische Parkett. Es braucht den Druck der Zivilgesellschaft als auch den politischen Einsatz um die nationale Grundsatzdiskussion zu fördern. Wir schätzen die Chancen unserer Beschwerde als intakt ein, dies trotz der mächtigen Gegenspieler!


Das Gespräch führte Christa Dregger per E-Mail


Verein «Schutz vor Satellitenstrahlung Region Leuk»
Postfach 137
3952 Susten
Mail: [email protected]
https://schutzvorsatellitenstrahlungregionleuk.ch
 

Christa Dregger-Barthels

Christa Dregger-Barthels

Christa Dregger-Barthels (auch «Leila» Dregger), Redaktionsmitglied des Zeitpunkt, Buchautorin, Journalistin und Aktivistin. Sie lebt über 40 Jahre in Gemeinschaften, davon 18 Jahre in Tamera/Portugal - inzwischen wieder in Deutschland. Ihre Themengebiete sind Frieden, Gemeinschaft, Mann/Frau, Geist, Ökologie.

Weitere Projekte:

Biohotel Gut Nisdorf: www.gut-nisdorf.de

Terra Nova Begegnungsraum: www.terranova-begegnungsraum.de

Gerne empfehle ich Ihnen meine Podcast-Reihe TERRA NOVA:
terra-nova-podcast-1.podigee.io.  
Darin bin ich im Gespräch mit Denkern, Philosophinnen, kreativen Geistern, Kulturschaffenden. Meine wichtigsten Fragen sind: Sind Menschheit und Erde noch heilbar? Welche Gedanken und Erfahrungen helfen dabei? 

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