23. Jun 24
Dem Kapitalismus glücklich entronnen – den ich auch in Griechenland nicht zu schätzen wusste –, reiste ich im Zug nach Sofia zurück.
09. Jun 24
Das Ende der letzten Folge: «Als einsamer Grenzgänger komme ich am bulgarischen Zoll an. Ich bin der Einzige, der zu dieser Stunde noch über die Grenze will.
26. Mai 24
Alexander, einer meiner Mitbewohner in der Waldegg, der Grafiker, dessen subversive, rasch dahingeworfene Karikaturen grosses künstlerisches Talent offenbarten, der aber zuwenig ehrgeizig war, um etwas daraus zu machen, sondern lieber in den Tag hinein schlief – Alexander war schwer verliebt.
12. Mai 24
An der Schwelle zum neuen Jahr – 1974 – wurde ich etwas nachdenklich. Bis zu meinem 20. Geburtstag fehlten nur noch wenige Monate. Dann war ich volljährig, ein Erwachsener, und ich wusste: Im neuen Jahr musste sich etwas ändern. Ich war es leid, ohne Freundin zu sein.
21. Apr 24
«Für das Gastspiel von ‚Roxy Music‘», schrieb ich im Tages-Anzeiger, «vertauschten sie ihre exklusiven Tummelplätze für einmal mit dem biederen Zürcher Volkshaus: die Bohemiens und Möchtegernkünstler, die Boutiquebesitzer und ihre Stammkunden oder in einem Wort: die Crème de la crème der lokalen
07. Apr 24
Den Temporärjob bei der Sihlpost vermittelte mir mein Mitkommunarde Bruno, der mich schon auf die Waldegg gebracht hatte.
24. Mär 24
Als ich dem Tages-Anzeiger einen Bericht über eine Filmarbeitswoche im Oberwalliser Dorf Fiesch vorschlug, tat ich dies nicht nur, weil ich gern Filme sah. Ich machte den Vorschlag auch deshalb, weil ich dann eine ganze Woche mit jungen Leuten in meinem Alter verbringen konnte.
10. Mär 24
Meine Kündigung an der Auffangstation fiel mir leicht und nicht leicht. Sie fiel mir leicht aus «politischen» Gründen, die für mich inzwischen so oberwichtig geworden waren, dass ich meine Aktivitäten mehr und mehr nur noch danach bewertete, ob sie meinem Engagement dienten.
11. Feb 24
Wenige Monate erst lebte ich in der «Waldegg» - doch bereits sah ich mich als erfahrenen Kommunarden, der den Trend zur neuen, alternativen Wohnform aus linker Sicht mit kritischem Blick verfolgte. In der September-Nummer des «focus» schrieb ich:
28. Jan 24
Eines Tages im Sommer lag ein amtlicher Brief in der Post. Der lange Arm der Schweizer Armee reichte bis auf die Waldegg. Es war der Stellungsbefehl für die militärische Aushebung im September.
21. Jan 24
Fast alle 300 Plätze im Basler Volkshaus sind ausverkauft. Vielen Zuschauern sieht man die verwegenen Reiseabenteurer an. Andere, älteren Semesters, scheinen sich einfach über den Wagemut und Entdeckerlust der beiden jungen Frauen zu freuen. Alle wollen die beiden mutigen Schwestern sehen.
14. Jan 24
Meine ultimative Abrechnung mit dem Rockbusiness in der Schweiz schrie geradezu nach einer Alternative. An einem Samstag im Juni 1973 fuhr ich deshalb von Zürich nach Lenzburg. Was mich dort erwartete, schilderte ich in meiner Reportage für die «Woche».
17. Dez 23
Selber aus der Kirche ausgetreten zu sein, genügte mir nicht. Was ich für mich erkannt und entschieden hatte, wollte ich wie immer in die Welt hinaustragen.
03. Dez 23
«Waldegg» hiess die Wohngemeinschaft, in die ich einzog und die sich wie alle WGs in jener Zeit nach ihrer Adresse benannte. Kaum war ich dort, wollte ich Elias, meinem ehemaligen Schulfreund, der jetzt das Lehrerseminar absolvierte, von meinem neuen Zuhause erzählen.
19. Nov 23
«Welche Station kommt als nächste nach Inishbofin?» fragte mich, vielsagend lächelnd, ein Inselbewohner während der Fahrt auf die Insel. «Manhattan», gab er gleich selber die Antwort. Weil die Insel im äussersten irischen Westen liege, sei der nächste Ort in westlicher Richtung New York.
05. Nov 23
Ich hatte in Nordirland so viel gesehen und erlebt, dass ich Stoff genug hatte, um zurück in der Schweiz gleich mehrere Reportagen verfassen zu können.
15. Okt 23
Am Abend des Ostersamstags betrat ich in Derry das Bogside Inn, das einzige Pub im katholischen Arbeiterviertel, das ich von unserem Aufenthalt im Jahr davor bereits kannte.
01. Okt 23
Am folgenden Nachmittag verliess ich Dublin, stellte mich an die Ausfallstrasse in Richtung Norden und hatte nach kurzer Wartezeit bereits Glück. Ein junger Lehrer, der in der Hauptstadt einen Kurs besucht hatte, nahm mich mit bis Dunleer, wo er wohnte.
17. Sep 23
Nach meiner kritischen Beschäftigung mit dem Pestalozzi-Kalender – und der offenbleibenden Frage, ob Pestalozzi wohl seinen Namen dafür entlehnt hätte – musste ich diese Überdosis an Schweiz schnell wieder loswerden. Ich reiste nach Irland.
03. Sep 23
Nach meiner Hymne auf Joni Mitchell und ihr Leben jenseits der Konvention holte mich der Tages-Anzeiger unsanft zurück in die brave Schweiz zurück mit einem Thema, das mich zunächst nicht begeisterte: Ob ich nicht ein Porträt des Pestalozzi-Kalenders verfassen könne?